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Wie Kyrok Pharma-Bestellungen aus Excel befreit

In dieser Folge geht es um die versteckten Kosten manueller Bestellprozesse in der Pharma- und Chemieindustrie und darum, wie ein KI-Layer über bestehende ERP-Systeme Fehler, Rückfragen und Koordinationsaufwand reduziert.

Außerdem diskutieren wir, warum gerade die niedrige Einstiegshürde für mittelständische Werke so attraktiv ist - und ob große ERP-Anbieter diese Idee nicht einfach selbst kopieren könnten.


Chapter 1

Wenn eine Bestellung in der Fabrik an Excel hängt, wird jeder Fehler teuer

Max Quantum

Stell dir... stell dir eine Fabrikhalle vor. Modernste Anlagen, Reinräume, hochpräzise Abfüllmaschinen für Pharmazeutika. Und dann, direkt daneben im Büro, sitzt jemand und tippt manuell Lieferdaten von einem PDF-Scan in eine Excel-Tabelle, um sie danach per E-Mail an den Einkauf zu schicken. Und wenn da eine einzige Charge-Nummer falsch übertragen wird, steht die Produktion still. Ein ein winziger Tippfehler kostet am Ende zehntausende Euro, weil das Material nicht freigegeben werden kann.

Eva Cortex

Oh Mann, das ist... das ist leider so der Klassiker. Man denkt immer, in der Chemie- und Pharmabranche läuft alles vollautomatisch, aber am Ende hängt die Lieferkette an einer Excel-Tabelle und drei Telefonaten. Aber... warte mal, das ist genau das Problem, das Kyrok lösen will, oder? Du hast mir neulich von diesem Berliner Startup erzählt.

Max Quantum

Genau. Kyrok. Die- die- die machen im Grunde folgendes: Sie legen eine intelligente KI-Schicht über diese ganzen alten, bestehenden ERP- und Warenwirtschaftssysteme. Das Ziel ist, dass mittelständische Pharma- und Chemieunternehmen diese extrem fehleranfälligen, manuellen Routine-Bestellungen nicht mehr mühsam von Hand koordinieren müssen. Die KI übernimmt quasi das das repetitive Auslesen, Abgleichen und Buchen.

Eva Cortex

Okay, verstehe. Aber... wenn ich jetzt Chef von so einem mittelständischen Werk bin... ich meine, die haben doch alle riesige Angst vor einem Systemwechsel. "Never change a running system", erst recht in einer so streng regulierten Branche wie Pharma. Wer bitteschön schmeißt denn da seine funktionierende IT weg, nur weil ein neues Startup um die Ecke kommt?

Max Quantum

Aber das ist ja der eigentliche Hebel. Kyrok sagt eben nicht: „Schmeißt eure Software weg und kauft unsere.“ Im Gegenteil. Sie verkaufen keine neue Datenbank, sondern reine Anschlussfähigkeit. Die docken sich einfach an das an, was schon da ist. Genau das senkt die Eintrittshürde in dieser extrem vorsichtigen Branche massiv. Kein jahrelanges, riskantes IT-Projekt, sondern ein schneller Aufsatz oben drüber.

Eva Cortex

Ah! Das ist clever. Das heißt, der Vertrieb läuft wahrscheinlich viel einfacher. Wenn der Vertriebsleiter da anruft, muss er nicht die IT-Abteilung davon überzeugen, den Kern ihrer Infrastruktur rauszureißen. Wer zahlt denn dann am Ende dafür? Ist das das Budget vom Einkauf, von der IT oder kommt das direkt aus den Operations, weil dort der Schmerz am größten ist?

Max Quantum

Meistens sitzt der Schmerz in den Operations und beim Einkauf. Und weil das bestehende System unberührt bleibt, ist "nicht anfassen" plötzlich das stärkste Verkaufsargument für die Geschäftsführung. Wenn man das für sich mal ganz simpel runterschreibt: Die KI sitzt eben nicht im Kernsystem, sondern drüber und übernimmt einfach die nervigen, wiederkehrenden Bestellschritte, die sonst Menschen manuell in Excel machen würden.

Chapter 2

Warum ausgerechnet die alte Routine der spannendste Angriffspunkt ist

Max Quantum

Wenn man sich die Prozesse genauer anschaut, merkt man schnell: Diese Bestellungen in der Chemie sind ein Albtraum aus Regeln. Da gibt es Stücklisten, Freigaben, ständige Nachbestellungen, Lieferantenabgleiche... das ist zwar alles regelbasiert, aber eben extrem unübersichtlich. Und genau da setzt so eine Agentenschicht an. Ein Software-Agent kann diese Regeln lernen und die Routine-Arbeit automatisieren.

Eva Cortex

Das klingt jetzt erst mal... na ja, fast schon zu einfach. Aber was passiert denn operativ im Alltag? Ist das wirklich eine spürbare Entlastung oder redet man sich das nur schön?

Max Quantum

Es ist extrem konkret. Es geht um schnellere Erfassung von Lieferdokumenten, weniger Tippfehler bei komplexen chemischen Bezeichnungen, weniger Rückfragen per Mail und deutlich kürzere Koordinationsschleifen. Der Agent leitet die nächsten Schritte direkt aus den vorhandenen Daten ab. Und wir reden hier nicht von einer kleinen Nische. Die deutsche Pharma- und Chemiebranche hat über 560.000 Beschäftigte. Da ist unglaublich viel Sand im Getriebe, den man wegräumen kann.

Eva Cortex

Hm. Aber um das wirklich zu verstehen, muss man doch die Branche in- und auswendig kennen. Chemikalien sind ja keine Turnschuhe, die man mal eben im Onlineshop bestellt.

Max Quantum

Absolut. Und genau da haben die Gründer, Daniel Hofinger und Lukas Bierfreund, einen sehr klugen Schritt gemacht. Bevor die überhaupt eine einzige Zeile Code für das Produkt geschrieben haben, haben die über 200 Interviews mit Entscheidern geführt. Die waren in Fabriken, haben Workshops gemacht... das war keine Folklore, sondern echte Feldforschung. So baut man Vertrauen auf, weil das Produkt einen realen Schmerz löst und keine theoretische Spielerei ist.

Eva Cortex

Okay, aber... jetzt mal Hand aufs Herz. Wo ist der Haken? Was passiert denn, wenn die Daten im alten ERP-System totaler Müll sind? Ich meine, wenn die Stammdaten schon fehlerhaft oder unvollständig gepflegt sind, dann füttert die KI das System doch am Ende auch nur mit automatisiertem Quatsch, oder? Wie viel von diesem "wir automatisieren das jetzt" ist am Ende doch nur die mühsame Vorarbeit, um die Daten überhaupt erst mal sauber zu kriegen?

Max Quantum

Ja, das... das ist der wunde Punkt. Garbage in, garbage out gilt natürlich auch für die beste KI-Schicht. Wenn die Artikelnummern im SAP seit zehn Jahren falsch gepflegt sind, muss die KI das entweder mühsam erraten oder der Kunde muss erst mal seine Hausaufgaben machen. Kyrok steckt aktuell ja auch noch in der Pilotphase. Das Geschäftsmodell basiert auf einer wiederkehrenden Lizenz- oder Nutzungsgebühr für Enterprise-Software, aber genaue Preise, Margen oder Umsatzzahlen sind bisher öffentlich nicht bekannt. Es ist also noch ein Experiment unter realen Bedingungen.

Eva Cortex

Heißt für mich am Ende: Die eigentliche Innovation ist hier gar nicht die Technologie oder der Ersatz des alten Systems, sondern einfach diese extrem niedrige Wechselhürde, die den Einstieg ermöglicht. Aber weißt du, was ich mich frage, wenn ich das strategisch betrachte?

Max Quantum

Schieß los. Was geht dir durch den Kopf?

Eva Cortex

Na ja, wenn diese Schicht so wertvoll ist... warum baut SAP oder ein anderer großer ERP-Anbieter das nicht einfach selbst? Oder anders gefragt: Ist so ein unsichtbarer Layer, der nur oben draufsitzt, überhaupt langfristig verteidigbar, wenn die großen Plattformen beschließen, ihre eigenen Systeme mit besserer KI auszustatten?

Max Quantum

Das ist die entscheidende Frage. Die großen ERP-Riesen sind oft träge und deren Update-Zyklen dauern Jahre. Aber klar, das Risiko besteht. Die große Spannung bei Kyrok ist: Ist diese schnelle, pragmatische Anschlussfähigkeit jetzt der eigentliche, dauerhafte Burggraben, weil man schneller lernt und tiefer integriert ist als alle anderen — oder ist es am Ende doch nur der schnellste Einstieg in einen Markt, den mittelfristig wieder die ganz großen Systemhäuser dominieren werden, sobald sie ihre Hausaufgaben gemacht haben?

Eva Cortex

Tja, das wird sich zeigen. Aber für den Moment ist "kein IT-Projekt" auf jeden Fall ein verdammt gutes Argument. Danke für den Einblick, Max!

Max Quantum

Immer gerne, Eva. Bis zum nächsten Mal.