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Taktile: Die KI-Schicht für schnelle Bankentscheidungen

In dieser Folge geht es um Taktile, die Berliner Fintech-Infrastruktur, die Kredit- und Compliance-Entscheidungen in regulierten Finanzinstituten von Wochen auf Minuten verkürzen soll. Außerdem beleuchten wir, warum kontrollierbare KI im Banking wichtiger ist als vollautonome Systeme und wie sich daraus ein skalierbares Geschäftsmodell entwickelt.


Chapter 1

Der Kredit, der nicht warten kann

Max Quantum

Stell dir vor, ein Mittelständler hat gerade die Bestätigung für einen Großauftrag bekommen. Die Maschine ist bestellt, alles ist bereit, aber, äh, die Hausbank braucht für die Kreditfreigabe normalerweise drei Wochen. In drei Wochen ist der Auftrag weg. Und genau an dieser Schnittstelle greift Taktile an. Es geht nicht darum, dass die Bank, na ja, irgendwann entscheidet, sondern eine kontrollierbare KI-Schicht bewertet den Fall in Minuten.

Eva Cortex

Warte mal, drei Wochen auf Minuten verkürzen? Das klingt im regulierten Finanzbereich ja fast schon gefährlich. Ich meine, wie geht das, ohne dass die Regulierungsbehörde sofort den Stecker zieht?

Max Quantum

Genau das ist der Punkt. Im regulierten Finanzgeschäft gewinnt eben nicht die autonomste KI, sondern die, tja, kontrollierbarste. Bei einem Kredit oder einer Geldwäsche-Prüfung reicht "schnell" nicht aus. Jede einzelne Entscheidung muss auch Monate später für einen Prüfer komplett erklärbar sein. Taktile liefert im Grunde die Infrastruktur dafür. Gegründet 2020 in Berlin von Maik Taro Wehmeyer und Maximilian Eber, durchliefen Y Combinator und haben jetzt im Juni 2026 eine Series C über, äh, 110 Millionen US-Dollar eingesammelt. Angeführt von Goldman Sachs Alternatives. Insgesamt stehen sie jetzt bei rund 184 bis 189 Millionen Dollar Funding.

Eva Cortex

Goldman Sachs investiert also über 100 Millionen. Aber wenn ich mir die Claims anschaue... die werben mit, was war das, "bis zu 95 Prozent Automatisierung" im B2B-Underwriting und "fünfmal mehr Kredite ohne zusätzliches Personal". Das sind genau diese typischen B2B-Marketingzahlen. Klingt spektakulär, aber wie viel davon ist am Ende wirklich harte Realität im Alltag einer Sparkasse oder einer Versicherung?

Max Quantum

Der Punkt ist ein anderer. Diese Zahlen sind natürlich die Peak-Performance-Claims aus den besten Case Studies. Aber selbst wenn eine Bank im ersten Schritt nur 50 oder 60 Prozent automatisiert, verschiebt sich die Wirtschaftlichkeit bereits massiv. Der eigentliche Hebel ist ja nicht, dass die KI alles alleine macht, sondern wie die Maschine aufgebaut ist.

Chapter 2

Die Maschine hinter der Entscheidung

Max Quantum

Taktile ist eben keine Blackbox, die einfach nur ein "Ja" oder "Nein" ausspuckt. Die Plattform verbindet vier Elemente: feste, klassische Wenn-Dann-Regeln, KI-Agenten für unstrukturierte Daten, externen Datenkontext und, ganz wichtig, eingebaute menschliche Freigabeschleifen. Human-in-the-loop, wenn man so will.

Eva Cortex

Okay, ich versuche das mal für mich runterzुबlocken. Es ist also keine reine KI, die magisch entscheidet, sondern eher ein Baukasten? Wo die Risikoabteilung selbst die Regeln zusammenschiebt, statt dass man jedes Mal die IT-Abteilung anbetteln muss, wenn sich eine Richtlinie ändert?

Max Quantum

Exakt. Genau darin liegt der eigentliche Hebel. Bisher lief das so: Die Risikoabteilung schreibt ein PDF mit neuen Richtlinien, schickt das an die IT, und sechs Monate später ist es im System implementiert. Bei Taktile bauen die Fachexperten den Entscheidungs-Workflow über ein visuelles Interface selbst. Sie können Datenquellen per Drag-and-Drop anbinden, die Logik testen, sie sofort simulieren und dann live schalten. Das Produkt ist also nicht die Kreditentscheidung selbst, sondern die Infrastruktur für diese Entscheidungen.

Eva Cortex

Das klingt operativ extrem logisch, aber... na ja, wir reden hier über Banken. Die haben doch oft IT-Systeme aus den Neunzigern. Wie kommt Taktile da überhaupt rein? Ich meine, die Vertriebszyklen in dem Bereich dauern doch ewig. Da nützt das schönste Interface nichts, wenn das Compliance-Team der Bank nach zwei Jahren Prüfung immer noch abwinkt.

Max Quantum

Das ist die größte Hürde überhaupt. Enterprise-Vertrieb im Fintech-Bereich ist extrem zäh. Aber Taktile dockt eben nicht an das uralte Kernbankensystem direkt an, sondern legt sich als API-gestützte Schicht darüber. Sie verkaufen keine komplette Transformation, sondern ein Werkzeug, das sich die Daten zieht, sie verarbeitet und das Ergebnis zurückspielt. Das verkürzt die Implementierung von Jahren auf Wochen.

Chapter 3

Warum das Geschäftsmodell größer ist als ein einzelner Use Case

Eva Cortex

Verstehe. Also ist das gar kein reines Tool für Kredite, sondern eine horizontale Plattform. Heißt konkret: Wenn eine Bank das einmal für Mittelstandskredite lizenziert hat, könnten sie theoretisch am nächsten Tag auch Autofinanzierungen oder, äh, Geldwäsche-Prüfungen darüber laufen lassen?

Max Quantum

Genau das ist die Skalierungslogik. Wer diesen Engpass an der Schnittstelle von Risiko, Daten und Regulierung löst, besitzt am Ende den gesamten Entscheidungsprozess des Instituts. Zum Preismodell gibt es zwar öffentlich keine exakten Details, aber in der Branche ist bei solchen Infrastrukturen ein Mix aus einer jährlichen Grundgebühr und einer volumen- oder entscheidungsbasierten Komponente üblich. Je mehr Kredite oder Prüfungen über das System laufen, desto mehr verdient Taktile – und desto tiefer sind sie im Kernbetrieb verankert.

Eva Cortex

Aber wo ist der Haken? Wenn das so ein riesiger, lukrativer Markt ist, warum bauen das die großen Kernbanken-Anbieter oder Player wie Salesforce nicht einfach nach? Die haben doch ohnehin schon den Fuß in der Tür bei den Banken.

Max Quantum

Weil diese klassischen Riesen oft zu starr sind. Sie können Daten verwalten, aber sie können nicht diese feingranulare, regulatorisch sichere Verknüpfung von KI und menschlicher Freigabe in Echtzeit abbilden. Trotzdem hast du recht: Der Wettbewerb schläft nicht, und das Risiko ist hoch. Aber der eigentliche Burggraben von Taktile ist mittlerweile nicht mehr nur die reine Software, sondern das aufgebaute Vertrauen. Wenn eine Aufsichtsbehörde das System einmal bei drei großen Banken durchgewinkt hat, ist das für die vierte Bank das stärkste Verkaufsargument.

Chapter 4

Was KI hier wirklich verändert

Eva Cortex

Heißt für mich am Ende: KI ersetzt hier nicht den Kreditsachbearbeiter, sondern sie nimmt ihm die stundenlange, stumpfe Vorarbeit ab. Sie liest Dokumente, gleicht sie mit Datenbanken ab und bereitet den Fall so vor, dass der Mensch am Ende nur noch den sprichwörtlichen Stempel aufdrücken muss.

Max Quantum

Genau. Es ist eine kontrollierte Beschleunigung. Nicht maximale Autonomie, sondern maximale Effizienz innerhalb eines klaren, gesetzlich sauberen Rahmens. Die Bank gewinnt die Geschwindigkeit, die der Kunde fordert, ohne das Risiko einzugehen, bei einer Prüfung die Lizenz zu verlieren. Und genau das ist der Unterschied zwischen einer netten KI-Demo und einem echten Geschäftsmodell in einem hochregulierten Markt.

Eva Cortex

Ja, das leuchtet ein. Also, kein Hype, sondern schlichtes, verdammt gut strukturiertes Risikomanagement. Danke dir für den Deep Dive, Max. Spannende Kiste.

Max Quantum

Gerne. Bis zum nächsten Mal.