GEO statt SEO: Wenn ChatGPT deine Marke übersieht
Wie ein Berliner Startup mit einem Dashboard sichtbar macht, ob Marken in Antworten von ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity auftauchen — und warum das für Marketing-Teams zum neuen Kontrollverlust wird.
Außerdem geht es um Generative Engine Optimization, clevere Preisstrategien und die Frage, ob GEO eine eigene Disziplin bleibt oder nur ein neues Feature im Marketing-Mix.
Chapter 1
Der Moment, in dem ChatGPT den Konkurrenten nennt
Max Quantum
Welcome to the show! Ich bin Max Quantum, hier mit Eva Cortex. Und Eva, stell dir mal folgendes Szenario vor: Ein Marketingleiter eines mittelgroßen deutschen Unternehmens sitzt morgens um acht bei seinem ersten Kaffee und fragt ChatGPT: „Wer sind eigentlich die besten Anbieter für B2B-Logistiksoftware in Deutschland?“ Die KI rattert los und nennt drei Namen. Aber der eigene Name? Fehlt komplett. Das ist der absolute KERNschock für jeden Marketing-Verantwortlichen heute.
Eva Cortex
[chuckles] Oh ja, der Kaffee ist danach auf jeden Fall kalt. Aber das zeigt doch das eigentliche Problem: Wir reden hier nicht mehr über die klassische Google-Suche, wo man sich auf Seite zwei der Suchergebnisse ärgert. Wir reden über ein System, das aktiv auswählt, filtert und dem Nutzer am Ende nur ein einziges, fertiges Ergebnis präsentiert. Wer da nicht genannt wird, existiert für den Kunden quasi gar nicht mehr.
Max Quantum
Genau. Und genau in diesem Schmerzpunkt positioniert sich ein neues Startup aus Berlin namens Peec, gegründet Anfang 2024. Was die machen, ist im Grunde eine neue Messbarkeits-Schicht. Ihr Tool macht sichtbar, ob eine Marke in den Antworten von ChatGPT, Claude, Gemini oder Perplexity überhaupt auftaucht, welche Quellen diese Modelle zitieren und welche Wettbewerber sie bevorzugen.
Eva Cortex
Okay, warte mal -- wenn ich das richtig verstehe: Das ist die Verschiebung von SEO, also Search Engine Optimization, hin zu GEO -- Generative Engine Optimization. Bei Google optimierst du für ein hohes Ranking in einer langen Liste von Links. Bei GEO geht es darum, überhaupt im Fließtext der KI-Antwort vorzukommen.
Max Quantum
Exakt. Der eigentliche Hebel liegt nicht mehr im Klick auf den Link. Es geht um die Erwähnung und die Zitierung direkt im generierten Text. Wenn die KI dich nicht als Quelle nutzt, bist du unsichtbar.
Eva Cortex
Das ist ja genau der Punkt, der mich bei der Sache am meisten beschäftigt. [thoughtfully] Wie soll ein Marketingteam das im Alltag überhaupt merken? Kein Mensch hat doch die Zeit, den ganzen Tag hunderte verschiedene Prompts in vier verschiedene Chatbots einzutippen, nur um zu gucken, ob man irgendwo auftaucht. Man weiß also gar nicht, was man alles verpasst. Und genau diese systematische Blindheit ist der Pain, für den Unternehmen am Ende ein Dashboard bezahlen.
Chapter 2
Das Produkt, das aus Unsichtbarkeit ein Abo macht
Max Quantum
Und das Dashboard von Peec ist extrem pragmatisch aufgebaut. Du fütterst es nicht mit abstrakten Keywords, sondern mit den Prompts, die deine Kunden tatsächlich stellen würden -- also Fragen nach Vergleichen, Empfehlungen oder Problemlösungen. Du legst beispielsweise zehn, fünfzig oder hundert dieser Prompts an und das Tool trackt kontinuierlich, wo deine Marke landet, wer die Konkurrenz ist und welche Webseiten als Quelle herangezogen werden.
Eva Cortex
Heißt konkret: Ich bekomme einen knallharten Realitätscheck direkt als Score geliefert. Und was mich hier besonders interessiert, ist die Preisstruktur. Ich habe mir das mal angeschaut: Der Einstieg liegt bei 75 Euro im Monat für 25 Prompts. Dann geht es hoch auf 169 Euro für 100 Prompts und im Enterprise-Bereich liegt man schnell bei 424 Euro und mehr. Das ist psychologisch ziemlich clever gelöst, oder?
Max Quantum
Das ist die klassische Product-Led-Growth-Logik. Der günstige Einstieg von 75 Euro senkt die Hürde für den ersten Test extrem. Ein Marketing-Manager bucht das mal eben mit der Kreditkarte, ohne das große Budget-Freigabeverfahren durchlaufen zu müssen. Und dann passiert der Aha-Moment: Er sieht schwarz auf weiß, dass seine Marke bei den wichtigsten Fragen komplett ignoriert wird.
Eva Cortex
[laughs] Und mit diesem Screenshot rennt er dann direkt zum CMO oder zum Budgetverantwortlichen! Nicht mehr mit einem vagen „Wir sollten uns mal mit KI-Optimierung beschäftigen“, sondern mit einem konkreten „Schau mal, hier verlieren wir jeden Tag Kunden an Wettbewerber X, weil wir in den Top-Prompts nicht vorkommen.“
Max Quantum
Genau darin liegt der eigentliche Hebel für das Up-Selling. Das Produkt liefert den Beweis für seine eigene Notwendigkeit gleich mit. Sobald die Angst vor dem Kontrollverlust greift, wird aus dem netten Test-Abo sehr schnell eine strategische Budgetfrage für die Enterprise-Ebene.
Chapter 3
Warum Peec genau jetzt eine Kategorie bauen konnte
Eva Cortex
Das Ganze funktioniert ja überhaupt nur, weil wir mitten in diesem massiven Shift stecken. Die Leute nutzen Google immer seltener als reine Link-Schleuder und wollen direkt die fertige Antwort. Wenn das Suchverhalten sich so fundamental ändert, verlieren die alten SEO-Tools wie Semrush oder Sistrix an Boden, weil sie für ein anderes Zeitalter gebaut wurden.
Max Quantum
Richtig. Und wenn man sich erfolgreiche Beispiele in der Technologiegeschichte anschaut, erkennt man ein klares Muster: Wann immer eine neue Plattform die Informationsverteilung übernimmt, entsteht eine neue Messbarkeits-Schicht. Und das Unternehmen, das diese Schicht als erstes besetzt und benennt, baut sich einen massiven Kategorie-Vorteil auf. Peec versucht gerade, das Synonym für GEO-Tracking zu werden.
Eva Cortex
Klingt logisch. Aber jetzt mal ganz ehrlich: Wo ist der Haken? [skeptical] Nur weil Peec jetzt schnell gestartet ist, heißt das ja noch lange nicht, dass sie diesen Vorsprung halten können. Was hindert die großen, etablierten SEO-Riesen wie Similarweb oder HubSpot daran, einfach in ein paar Monaten ein ähnliches Feature auszurollen? Die haben bereits die Daten und die Kundenbeziehungen.
Max Quantum
Das ist das größte Risiko für Peec. Ein reines Feature-Set ist schwer zu verteidigen. Zudem verändern sich die Algorithmen der KI-Modelle fast wöchentlich. Was heute als Ranking-Faktor für ChatGPT gilt, kann morgen schon hinfällig sein. Die Volatilität ist enorm.
Eva Cortex
Und genau da sehe ich die langfristige Herausforderung: Was passiert, wenn ein Kunde nach drei Monaten verstanden hat, wo er steht und seine Hausaufgaben gemacht hat? Bleibt das ein dauerhaftes Abo-Modell oder ist das eher ein Tool, das man mal für eine Einmal-Analyse nutzt und dann wieder kündigt? Der Nutzwert muss sich im Alltag kontinuierlich beweisen.
Max Quantum
[reflective] Ein extrem wichtiger Punkt. Die große Frage für die Zukunft von GEO wird sein, ob es sich als eigenständige, dauerhafte Disziplin etabliert oder ob es am Ende nur ein weiteres Rädchen im klassischen Marketing-Mix wird. Aber wer heute nicht anfängt, die Sichtbarkeit in KI-Modellen überhaupt erst mal zu messen, der überlässt das Spielfeld komplett der Konkurrenz. Und das kann sich eigentlich kein Unternehmen mehr leisten.
Eva Cortex
Das ist ein gutes Schlusswort. Vielen Dank fürs Zuhören bei dieser Folge! Wir hören uns beim nächsten Mal. Ciao!
Max Quantum
Macht's gut, bis zum nächsten Mal!
