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Wie KI die Schwerindustrie entknotet

Wie KI die Schwerindustrie entknotet

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Wir analysieren, warum in der Schwerindustrie noch immer die meisten Daten ungenutzt bleiben und wie ein Londoner Startup mit einem hybriden KI-Modell aus Zeitreihen, Physik und Sprachverständnis dieses Problem angeht. Außerdem zeigen wir, wie Applied Computing über Partnerschaften mit Industriegiganten den Vertrieb in konservative Märkte beschleunigt.


Chapter 1

Der Blindflug der Schwerindustrie und das Modell Orbital

Eva Cortex

Willkommen bei IGNITION. Starte mit KI in Dein selbstbestimmtes Leben.

Max Quantum

Heute zerlegen wir ein Geschäft, das durch KI plötzlich anders funktioniert.

Max Quantum

Stell Dir vor, es ist drei Uhr morgens in einer Raffinerie. Im Kontrollraum blinkt ein Warnsignal. Ein Druckwert fällt leicht ab, die Temperatur steigt um zwei Grad. Der Ingenieur vor den Bildschirmen blättert in hunderte Seiten langen Handbüchern, sucht nach der Ursache, während Tausende Sensoren in der Anlage ununterbrochen Daten produzieren, die niemand in Echtzeit zusammenführen kann.

Eva Cortex

Und genau an dieser Stelle passiert in den meisten Industrieanlagen erstaunlich wenig, oder? Die Daten laufen einfach voll.

Max Quantum

Genau. Branchenschätzungen besagen, dass über neunzig Prozent dieser generierten Industriedaten ungelesen in Silos liegen bleiben. Für IGNITION analysieren wir aktuelle Entwicklungen aus KI, Technologie, Wirtschaft und Forschung. Wir vergleichen Quellen, prüfen Behauptungen und trennen belastbare Signale von kurzfristigem Hype.

Eva Cortex

Wobei man bei diesen neunzig Prozent oder den oft zitierten unter acht Prozent genutzten Daten echt aufpassen muss. Ist das ein echter Marktbeweis oder eher ein Marketingwert von Softwareanbietern, die genau dieses Problem verkaufen wollen?

Max Quantum

Der genaue Prozentwert ist ein Versprechen der Anbieter. Aber die operative Realität bestätigt den Engpass. Das Londoner Startup Applied Computing versucht genau hier anzusetzen mit einem Modell namens Orbital.

Eva Cortex

Und was macht Orbital anders als die typischen KI Dashboards, die man seit Jahren kennt?

Max Quantum

Sie bauen kein einfaches Sprachmodell und keine reine Statistik. Orbital kombiniert drei Ebenen. Erstens ein Zeitreihenmodell für die Sensordaten. Zweitens ein physikalisches Modell, das auf den Grundgesetzen der Chemie und Thermodynamik basiert, also Massenbilanz und Energieerhaltung. Und drittens ein Sprachmodell, das Handbücher und Protokolle liest.

Eva Cortex

Das heißt, die KI schlägt nichts vor, was physikalisch in der echten Anlage unmöglich oder gefährlich wäre?

Max Quantum

Genau das ist der Kern. In einer Chemieanlage bringt Dir ein rein statistisches Modell gar nichts, wenn es Halluzinationen erzeugt. Wenn das Sprachmodell eine Ursache sucht, muss das Ergebnis durch die harte Physik abgesichert sein. Eine Analyse, die früher Tage oder Wochen gedauert hat, soll so in Minuten möglich sein.

Eva Cortex

Klingt auf dem Papier stark. Aber wer übernimmt die Haftung, wenn die Simulation im echten Betrieb falsch liegt und ein Ventil zur falschen Zeit öffnet?

Max Quantum

Keiner lässt eine KI solche Anlagen vollautomatisch steuern. Es geht nicht um Autopilot, sondern um Entscheidungsunterstützung für Ingenieure. Die KI macht Vorschläge, die Erklärungen sind physikalisch begründet, aber die Freigabe bleibt beim Menschen.

Chapter 2

Das B2B Trojaner Muster und der Vertrieb über Industriegiganten

Eva Cortex

Gut, das Produkt verstehe ich. Aber wie kommt ein kleines Startup aus London überhaupt in die hochgradig konservativen Kontrollräume von Öl und Chemiekonzernen? Da baut man doch normalerweise Jahre am Vertrieb.

Max Quantum

Und genau darin liegt das spannendste Muster dieses Falls. Sie versuchen gar nicht, jede Raffinerie einzeln über Kaltakquise zu überzeugen. Sie nutzen ein Huckepack Modell, also eine Form von Piggybacking.

Eva Cortex

Das heißt, sie docken an die Giganten an, die sowieso schon drin sind?

Max Quantum

Genau. Applied Computing hat eine strategische Partnerschaft mit dem US Industriedienstleister KBR geschlossen. KBR investiert Geld, nimmt einen Sitz im Board und integriert Orbital direkt in ihre bestehende Digitalplattform INSITE drei Punkt null. Dazu kommt eine Partnerschaft mit Wipro.

Eva Cortex

Heißt für mich: Statt drei Jahre Verkaufsgespräche zu führen, geht die KI als Softwarebaustein im Paket der etablierten Ingenieurkonzerne mit durch die Tür.

Max Quantum

Richtig. Das reduziert die Vertriebskosten extrem. Laut eigenen Angaben hat das Unternehmen so innerhalb von unter achtzehn Monaten einen wiederkehrenden Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich erreicht.

Eva Cortex

Wobei man hier die Kirche im Dorf lassen muss. Ein zweistelliger Millionenbetrag nach achtzehn Monaten ist ein starkes Signal, aber es ist eine Unternehmensbehauptung aus einer aktuellen Finanzierungsrunde über zwanzig Millionen Dollar.

Max Quantum

Absolut. Und es gibt klare Risiken. Die Abhängigkeit von wenigen Großpartnern wie KBR ist riesig. Wenn KBR die Prioritäten verschiebt oder ein eigenes Modell baut, bricht ein Hauptvertriebskanal weg.

Eva Cortex

Was kann ein anderer Gründer oder Operator aus diesem Modell mitnehmen, ohne direkt eine Industriepartner KI zu gründen?

Max Quantum

Der eigentliche Hebel liegt nicht darin, komplett neue Daten zu erzeugen oder riesige Modelle zu trainieren. Der Wert entsteht, wenn man brachliegende Bestandsdaten mit harter Domänenlogik verknüpft und sich an bestehende Vertriebskanäle dranhängt.

Eva Cortex

Also nicht versuchen, den Markt neu zu erfinden, sondern eine verlässliche Entscheidungsschicht auf unglamouröse, regulierte Märkte zu legen.

Max Quantum

Das war der Business Case des Tages.

Eva Cortex

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